# Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50) 1.Die Eklogentradition in der Monophysitischen Katene.1

Eusebius, Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50), Praefatio 1, Die Überlieferung. Ancient Greek.

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Als Typ III, dessen hier verwendete Zeugen mit C bezeichnet sind, haben Georg Karo und Hans Lietzmann eine Katene analysiert, die Eklogen aus der Palästinischen Katene mit Texten von Johannes Chrysostomus (häufig auch Johannes, Bischof von Konstantinopel, genannt), Hesychius von Jerusalem und Kyrill von Alexandria verbindet (vgl. CPG C 16). Hauptzeuge ist der Parisinus gr. 139 (Ca). Marcel Richard hatte die Katene in ihm als monophysitisch und ägyptisch bezeichnet, wogegen sich Gilles Dorival wandte und sie aufgrund eingehender Untersuchungen als Vermengung der ersten Palästinischen Katene mit einer zweiten Palästinischen Katene ansah. Die Tradition dieser Komposition teilt er in wiederum zwei Katenen, zu deren erster die von mir benutzten Handschriften gehören. Für Chrysostomus und Hesychius ist die ehemals so genannte Monophysitische Katene von enormer Bedeutung. Die Reste der anderweitig nicht bekannten Ausführungen zu Ps 101 bis 106 von Chrysostomus hat Anne-Marie Malingrey aus ihr ediert, und die lückenhafte Direktüberlieferung des sogenannten Commentarius magnus (CPG 6554) von Hesychius kann mit ihr weitgehend ersetzt werden. Von Eusebius enthält sie keine neuen Bruchstücke. Die Eklogen bewahren den Text der Palästinischen Katene, soweit sie ihn übernommen haben, stehen aber nicht in der Tradition des Hyparchetyps der Hauptzeugen. Sie teilen nicht deren fenestrae. Neben der großen offenen Stelle im Kommentar zu Ps 104 lassen sich jedoch nur wenige der kleineren füllen, wie im Kommentar zu Ps 101,25b, da in C durch die Epitomierung sehr viel Material entfallen ist. Vor allem aber beendet C die Rezeption der Palästinischen Katene und damit auch die Wiedergabe von Fragmenten des Eusebius mit dem Schluß von Ps 118. Ab Ps 119 bis Ende wird ausschließlich gekürzter, aber immer noch reichlich viel Chrysostomus geboten. Wahrscheinlich steht damit in Zusammenhang, dass auch Hesychs Kommentar mit Ps 118 endete. Man möchte fast meinen, dass dadurch der Autor das Interesse an der Palästinischen Katene verlor, was freilich voraussetzt, dass er diese Katene nur deshalb bearbeitete, um Hesychius einzufügen. Inwieweit die Abweichungen von C gegenüber dem Hyparchetyp von A und P auf den Autor von C zurückgehen, ist ohne weitere stemmatische Forschungen kaum zu ermitteln. Einige Beispiele: Die Hinzufügung τοῦ πρὸς τὸν ἰώβ im Fragment zu Ps 103,25a–26b ersetzt eine durch das Exzerpieren verloren gegangene Information, die wenige Zeilen zuvor mitgeteilt war. Im Fragment zu Ps 101,25b–29b dagegen διατείνει für διαμείνῃ zu setzen, wirkt willkürlich; μερῶν für μορίων im Fragment zu Ps 102,1ab könnte als ein metaphrastischer Eingriff gedeutet werden; im Fragment zu Ps 105,28a–29b ist der nur in C stehende Satz εἴδωλον δὲ ὁ Βαὰλ ἐν τόπῳ Φεγώρ möglicherweise ein Zusatz des gelehrten Katenisten. Kleinere Auslassungen wie im Fragment zu Ps 105,40a–42b καὶ περὶ ἑτέρου ἔθνους sind wohl kaum auf eine epitomierende Absicht zurückzuführen, sondern vielleicht ein Missgeschick. Ebenso kann die Zuordnung der Textstücke zu den Lemmata in C von den Hauptzeugen abweichen, zum Beispiel die Nr. 4 und 5 zu Ps 117. Neben der Epitomierung wird in C keine systematische Bearbeitung vorgenommen. Paraphrastische Verdrängungen des ursprünglichen Wortlauts wie gegen Ende des Fragmentes zu Ps 103,25a–26b sind selten. (Ca) Parisinus gr. 139 (10. Jh.) Der seit dem Jahr 1622 in Paris befindliche und wegen seiner prachtvollen Miniaturen als Psautier de Paris berühmt gewordene Codex aus dem zehnten Jahrhundert teilt mit der übrigen Katenenüberlieferung die unangenehme Eigenschaft der Unzuverlässigkeit in den Namensangaben. Zum Beispiel ist die Theodoret-Passage zu Ps 103,2b (PG 80, 1696A) τὴν τῆς δημιουργίας εὐκολίαν – μόνῳ χρησάμενος, die Pitra in seinen Analecta als einen Origenes zu Ps 103,2 bringt und Migne als Chrysostomus spurius zu Ps 103 (PG 55, 647) druckt, in Ca als ein Text von Apolinarius wiedergegeben. Glücklicherweise sind solche Verwirrungen nicht die Regel. Malingrey scheint in ihrer Edition der Chrysostomus-Fragmente den Angaben durchgängig vertraut zu haben, und für die bevorstehende Edition des Hesychius dürfte sich der Parisinus ähnlich bewähren. Bietet aber Ca einen Eintrag unter dem Namen des Eusebius, ist immer Vorsicht geboten. So ist der in den Hauptzeugen anonyme Eintrag zu Ps 103,1bc zwar wohl richtig dem Kommentator aus Cäsarea zugeordnet, wenn aber kurz darauf, noch auf derselben Seite, wiederum ein Eusebius, diesmal zu Vers 2a, angekündigt wird, handelt es sich um einen Didymus, jedenfalls nach den Entscheidungen von Mühlenberg (Fragment 990 = 236,10–13). Auch der auf fol. 338v unter εὐσεβίου stehende Text οὐ πᾶς – λόγος ist wohl von Didymus, (Fragment 995 = 238,20–27 Mühlenberg; von Montfaucon als Eusebius gedruckt; s. PG 23, 1277C), und nochmals ἱλαρύνεσθαι – καὶ ἄρτος aus demselben Fragment (238,27.32 Mühlenberg = PG 23, 1277C–D). Nach drei weiteren, dem Hesychius zugewiesenen Einträgen steht unter εὐσεβίου der Text von Theodoret zu Vers 16 ὁ ἑβραῖος – βλαστήσαντα (PG 80, 1700C, wiederum von Montfaucon als Eusebius gedruckt = PG 23, 1277D–1280A). Ebenso ist der in Ca unter εὐσεβίου gebotene „Eusebius“ zu Vers 16b (PG 23, 1280 A) in der Ausgabe von Montfaucon von Theodoret (PG 80, 1700D). Dasselbe gilt für die jeweiligen Einträge zu Vers 17. Und, um noch ein letztes Beispiel anzuführen, fol. 359r enthält Texteinheiten von Theodoret als Einträge von Eusebius zu Ps 108,11ab und zu 108,14a, 14b und 15b. Entsprechend zu diesen Unsicherheiten bedeutet auch ein καὶ μετ’ ὀλίγα nicht notwendig, dass der ausgezogene Autor tatsächlich derselbe wie der zuvor genannte ist. So wird auf fol. 377r, innerhalb der Kommentierung von Ps 117,23, als vorletzter Eintrag ein Auszug aus Theodoret (PG 80, 1816 C: τοῦτον – τόκον) unter καὶ μετ’ ὀλίγα geboten, obwohl zwei Einträge angeblich aus Didymus vorausgehen, der eine vorgestellt als διδύμου, der andere wieder mit καὶ μετ’ ὀλίγα. Diese beiden stammen in Wirklichkeit aus Eusebius. (Cb) Venetus Marcianus gr. Z 17 (10. Jh.) Der Codex, der zur Schenkung von Kardinal Bessarion an die Marciana gehört, stimmt mit Ca in der Komposition und Darbietungsweise völlig überein. Dorival hielt es deshalb für möglich, dass beide Handschriften in demselben atelier entstanden sein könnten. Der enge Kontakt, der zwischen beiden offensichtlich besteht, mag diesen Schluß für das Layout nahelegen. Aber Cb ist nicht einfach eine Kopie von Ca. Die Unabhängigkeit des Pariser Codex vom Venetianer ist unzweifelhaft. Sie wird allein schon durch eine große fenestra in letzterem erwiesen: Cb bricht den Eintrag zu Ps 104,1a aus unersichtlichen Gründen ab und lässt mehrere Zeilen frei, um auf der nächsten Seite, übereinstimmend mit Ca, mit einem Auszug von Chrysostomus fortzufahren. Ca hat den ganzen, unproblematisch zu lesenden Text. Ebenso folgt Ca nicht dem Augensprung im Fragment zu Ps 102,22a–c von τόπου zu τόπου oder dem im Fragment zu Ps 118,173ab von ᾑρετισάμην zu ᾑρετισάμην oder der unerklärlichen Auslassung δι’ ἧς ἐξαπλῶν – δέησιν αὐτοῦ im ersten Fragment zu Ps 101 oder derjenigen im Fragment zu Ps 103,19a–23b, auch nicht der Erweiterung im Fragment zu Ps 118,172ab und vielen anderen Eigenarten, seien sie fehlerhaft, konjizierend oder bereits tradiert. Weniger klar ist die Frage zu entscheiden, ob der Venetianer den Pariser Codex zur Vorlage hatte. Gemeinsame Fehler wie der Augensprung ἥτις ἦν – ἐπαγγελίας im Fragment zu Ps 104,8a–11b können aus einer gemeinsamen Vorlage stammen oder gar zufällig entstanden sein. Auffällig am Marcianus ist, dass er störende Stellen, wie sie im Text von Ca vorliegen, elegant zu bewältigen versucht, dabei aber mitunter ein neues Problem hervorruft. Charakteristisch in dieser Hinsicht ist seine Reaktion auf den ungriechischen Beginn des ersten Satzes im Fragment zu Ps 105,1a–c. Das überkommene asyndetische αἶνον ὕμνον εἰς τὸν θεόν verändert er genial zu ἀνυμνεῖν τὸν θεόν. Man glaubt schon, die ursprüngliche Lesart vor sich zu haben, muss aber alsbald zur Kenntnis nehmen, dass nun von περιέχει ein nicht substantivierter Infinitiv abhängt. Εἰς ἐμὲ πιστεύοντας im Fragment zu Ps 117,28a–29b ist eine Verschlechterung. Anstelle des argumentativ sinnvollen Gefüges εἰ γὰρ ἀγέννητα ἦν, ἔμειναν ἂν καὶ ἀτελεύτητα. νῦν δ’ ἐπεὶ im Fragment zu Ps 101,25b–29b ein bloßes εἰ δὲ zu setzen, ist fragwürdig. Viele andere Abweichungen sind weniger gravierend, zum Beispiel im Fragment zu Ps 104,6ab καὶ πρὸ μιμήσεως oder die Auslassung von ἐν κόσμῳ im Kommentar zu Ps 104,12ab. Vielleicht ist sogar noch das bessere μέτρια παραλιμπάνει für das ungewöhnliche μεταπαραλιμπάνει im Fragment zu Ps 104,26ab eine Konjektur. Wenn freilich im Fragment zu 105,1a–c ἀπογυμνοῦν αὐτῷ für ἀπογυμνοῦντα αὐτῷ ebenfalls eine Konjektur sein sollte, wäre die Übereinstimmung mit dem Vindobonensis (Wa) ein merkwürdiger Zufall. Andererseits bietet Cb im Fragment zu Ps 105,12a–13a mit οἱ δὲ und ἠπίστουν eine logisch klare Version. Wahrscheinlich ist auch sie nur eine verführerische Konjektur, aber sie ist doch so sinnvoll, dass sie einen Mangel in der übrigen Überlieferung überzeugend ausgleicht. Dagegen handelt es sich bei der Einfügung von ᾄσαντες οἱ ἰσραηλῖται im nächsten Satz nicht um eine Konjektur, sondern um redaktionelle Gestaltung. Cb nennt das Subjekt, das im Kommentarfragment schon angedeutet war (ᾔνεσαν), aber in der Auspflückung entfallen ist. Der Autor von Cb arbeitet hier also sicher nicht aus einem ursprünglichen Text, sondern überarbeitet die schon gegebene Ekloge. Im Fragment zu Ps 102,3a–5b ersetzt er das sinnlose μήτε εἰς, das Ca oder ein Vorgänger aus μετῄεις geformt hatte, durch διῆγες, kannte also die ursprüngliche Form nicht und verbessert von sich aus, verändert aber auch ἀνῆκεν zu παρεῖδεν und erreicht somit einen akzeptablen Sinn. Nicht immer bemerkt der Autor von Cb einen fragwürdigen Sinn und teilt mit Ca die Formulierung, wie im Fragment zu Ps 101,18ab: τῶν ταπεινῶν τῶν ἑαυτοῦ προφητῶν. Aber offenkundige Fehler übernahm er nicht, wie die sinnlose Einfügung von ἐδεξάμην gegen Ende des Fragmentes zu Ps 102,1ab – oder hat er sie gar nicht gesehen? Neben den Veränderungen am Text, wie er in Ca vorliegt, zeigt der Marcianus auch signifikante Abweichungen gegenüber Ca, die nicht ohne weiteres als Konjekturalkritik oder als Eigenmächtigkeiten erklärbar sind. Im Fragment zu Ps 105,1a–c αἰῶνος nach τοῦ ἐνεστῶτος zu setzen und so gegen Ca mit den Hauptzeugen übereinzustimmen, verlangt noch keine andere Vorlage. Aber im Fragment zu Ps 101,4a–6b fügt er τότε ἐν εὐθηνίᾳ ὑπάρχοντι nach dem Hiob-Zitat ein, im Kommentar zu Ps 102,22a–c ersetzt er διάνοια durch διδασκαλία, und im Fragment zu Ps 118, 29ab dürfte das in Ca nicht stehende ὁ δὲ Σύμμαχος kaum erraten sein. Hinzu kommen einige Abweichungen in den Zuschreibungen. Cb gibt beispielsweise das Stück zu Ps 104,12ab dem Didymus, während es in Ca mit dem Namen des Theodoret verbunden ist, oder Cb weist im Fragment zu Ps 110,4b–6b eine Passage aus Eusebius dem Didymus zu, die Ca dem Apolinarius gibt. Schließlich finden sich sogar Stellen, an denen Cb mit den Hauptzeugen gegen Ca übereinstimmt. Im Fragment zu Ps 104,6ab teilt er nicht mit Ca das falsche ἄρχουσιν und vermeidet es, aus ἄν τινων ein ἀντιδίκων zu machen. Im Parisinus gr. 139 (Ca) hat ein Leser die Einträge, die der Katenist mit dem Namen des Eusebius versehen hatte, am Rand mit rotem Stift systematisch markiert. Vielleicht handelt es sich bei diesem Leser um den Verfasser des Codex Parisinus gr. 463, denn dieser Codex ist eine Papierhandschrift aus dem siebzehnten Jahrhundert, in der die wirklichen und vermeintlichen Fragmente von Eusebius aus dem Parisinus gr. 139 gesammelt sind. Die Eusebius-Einträge werden in denselben Abgrenzungen und mit denselben Irrtümern übernommen. Betitelt ist die Arbeit mit EUSEBII / PAMPHILI EPISCOPI / Caesareae Palaestinae / INTERPRETATIO / Psalmorum. Valde Erudita und auf dem folgenden Blatt griechisch wiederholt ΕΥΣΕΒΙΟΥ / ΤΟΥ ΠΑΜΦΙΛΟΥ / ΕΠΙΣΚΟΠΟΥ / ΚΑΙΣΑΡΕΙΑΣ ΤΗΣ / ΠΑΛΑΙΣΤΙΝΗΣ / ΕΧΗΓΗΣΙΣ ΤΩΝ ΨΑΛΜΩΝ ΠΑΝΥ / ΣΠΟΥΔΑΙΑ. Die Eigenheiten von Cb enthält er nicht, bespielsweise den angeführten Lösungsvorschlag zu Beginn des ersten Fragmentes zu Ps 105 ἀνυμνεῖν τὸν θεὸν oder die Auslassung von οἱ τῶν ἐθνῶν – τῆς ἀνθρωπίνης ἀγέλης aus dem Fragment zu Ps 106,6a–9b, so dass der Parisinus gr. 139, der Codex in derselben Bibliothek, die einzige Vorlage war.

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Eusebius Caesariensis, Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50), ed. Franz Xaver Risch Editor Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Text: The Greek Library, from the Perseus Digital Library and other open sources, CC BY-SA 4.0. Changes: apostrophes normalised and the text divided into reading sections by Interlinea.
License: CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/). Source: https://thegreeklibrary.pages.lisn.upsaclay.fr/works/tlg2018.tlg034.local003/.
