# Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50) 1.Zu den Bruchstücken aus der Niketas-Katene.1

Eusebius, Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50), Praefatio 1, Die Überlieferung. Ancient Greek.

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Konzeption und Überlieferung der Niketas-Katene machen es erforderlich, die Echtheit der daraus genommenen Eusebius-Texte unabhängig von der äußeren Bezeugung zu begründen. Dafür kommen vorrangig sprachliche Merkmale, in zweiter Linie auch Motive und Gedanken in Betracht. Aufgrund der Arbeitsweise des Katenisten muss bei jedem Fragment, für das ein Vergleichstext fehlt, offen bleiben, ob und inwieweit der Text durch ihn verändert worden ist. Bei der Requirierung der Fragmente aus N bin ich sehr zurückhaltend vorgegangen und habe nur solche Abschnitte aufgenommen, deren Diktion eindeutig auf Eusebius weist. Im folgenden führe ich für jedes der nach meiner Kenntnis nur bei Niketas überlieferten Fragmente die wichtigsten Beobachtungen an, mit denen sich die vollständige oder weitestgehende Originalität belegen lässt. Die Werke des Eusebius werden dabei aus dem Corpus der „Griechischen Christlichen Schriftsteller“ zitiert beziehungsweise noch aus PG 23 und 24. Für alle hier in Kurzform zitierten Quellen sei auf die ausführliche Bibliographie im ersten Band verwiesen. Die Ergebnisse der Recherchen in der Datenbank Thesaurus Linguae Graecae (TLG) beziehen sich auf den Datenbestand nicht über das Ende des Jahres 2021 hinaus. Ps 101,1–3a Die Zuweisung in der Niketas-Katene an Eusebius wird bestätigt durch die eusebischen Termini κατὰ θεὸν πτωχός, προφητῶν χορός, προτέρου λαοῦ. V (fol. 247r) führt den Text innerhalb der „Athanasius-Serie“ an. Dort ist ein weiterer, durchaus eusebisch klingender Satz angeschlossen: κηρύττει δὲ καὶ τὴν τῶν ἐθνῶν κλῆσιν τὴν γενομένην ἐν τῇ ἐπιφανείᾳ του σωτῆρος ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ (PG 27, 425 D7–9). Da das Textstück gegenüber dem vorausgehenden inhaltlich neu ist, kann es nicht als pseudο-athanasianische Paraphrase des davorstehenden Textes von Eusebius angesehen werden. Es handelt sich also um ein anderes Fragment aus Eusebius, das womöglich pseudo-athanasianisch bearbeitet ist. Ps 103,5a Niketas gibt Nd zufolge am Rand gleichzeilig mit dem Text als Verfasser Eusebius an. Eine überlieferungsbedingte Verschiebung der Angabe scheidet hier aus, da die vorausgehende und die folgende Passage, je ein Stück aus Basilius, klar abgrenzbar sind. Ne setzt dementsprechend nach dem letzten Worte einen Paragraphen; dass in Nh der Text ab καὶ φέρεται dem folgenden Basilius zugeschlagen ist, geht zu Lasten des unachtsamen Schreibers. Inhalt und Sprache weisen ziemlich deutlich auf Eusebius: Sowohl in der Demonstratio (IV 5 = 155,34–156,1 Heikel) als auch in der Theophanie I 6 (43,4–6 Gressmann), übernommen in De laudibus Constantini 11 (13,9–10 Heikel), erwähnt er die Lage der Erde auf dem Wasser, ausführlich auch im Kommentar zu Ps 23,1–2 (PG 23, 220 C7–D10). Der mit dem Adjektiv (nicht mit dem Partizip) gebildete Ausdruck ἡ παραδοξοποιὸς δύναμις ist bei Eusebius häufig und mit eingeschobenem τοῦ ποιητοῦ τῶν ὅλων fast identisch mit der Formulierung an der eben genannten Stelle aus dem Psalmenkommentar, also im demselben Kontext: παραδοξοποιὸς τοῦ τῶν ὅλων κυρίου δύναμις. Er ist in dieser Form bei anderen Autoren nicht nachweisbar. Das seltene τὸ βαρὺ στοιχεῖον für die Erde und in Verbindung mit φέρεται findet sich in der Demonstratio an besagter Stelle, ohne φέρεται an den Stellen in der Theophanie und De laudibus Constantini. Darüber hinaus bringt Niketas (Nd fol. 201r) denselben Gedanken von der schweren Erde auf dem leichten Wasser unter dem Namen des Eusebius im ausgreifenden Kommentar zu Ps 135,7 (eigentlich zu Vers 6 gehörend). Mit der Wendung ἐν τοῖς ἐναντίοις τὰ ἐναντία im Kontext der paradoxen Gotteswirkung lässt sich gut vergleichen die Formulierung ἐπειδήπερ παράδοξα καὶ θαυμαστὰ ἐνεργῶν ἐξ ἐναντίων τὰ ἐναντία εἰργάσατο im Fragment zu Ps 106,32a–36b. Ps 105,35a–36b Die Angabe „Chrysostomus“ in Nd und Nh ist verrutscht und bezieht sich auf den folgenden Eintrag. Für Eusebius als Verfasser sprechen gute Gründe: Die Wortverbindung τῶν ἀλλοφύλων καὶ ἀθέων ἐθνῶν verweist deutlich auf den Lehrer in Cäsarea, ebenso die Art der Zitation von LXX:Wis:14:12: Wo Eusebius den verhältnismäßig selten zitierten Spruch anbringt, wird er durch Assoziierung von ἄσεμνος (Praeparatio I 9,18 = 39,2) oder ἀκόλαστος (Praeparatio VII 2,4 = 365,11) ausgelöst, beide Termini wie hier auf Götzenverehrung bezogen. Ps 106,2a–3b Zum ersten Stück (Fragment Nr. 3): Nomen und Attribute sind typisch für Eusebius. Es liegt inhaltlich nahe, den Satz im engen Kontext des folgenden Eusebius-Fragmentes zu vermuten. Zum zweiten Stück (Fragment Nr. 4): Die Ausdrucksweise deutet klar auf Eusebius: Den eröffnenden Imperativ τήρει δέ mit Konjunktion (ὡς, ὅπως, ὅτι) setzt Eusebius in Nachahmung des Origenes gerne ein, um eine Textbeobachtung mitzuteilen (was bei Chrysostomus nicht zu finden ist). ἀπολύτως καὶ ἀδιορίστως ἁπάντων erinnert deutlich an Supplementa ad Marinum (PG 22, 1004 D5–6): ἀορίστως καὶ ἀπoλύτως τοὺς πάντας δηλώσαντες. Die Verbindung des Superlativs σαφέστατα mit θεσπίζειν hat dem TLG zufolge nur Eusebius. κλῆσις τῶν ἐθνῶν θεσπίζεται ist ohnehin kennzeichnend für ihn (vgl. Demonstratio VI 2,2 = 253,6: ἡ τῶν ἐθνῶν ἁπάντων κλῆσις θεσπίζεται). Inhaltlich identisch heißt es in seiner περιοχή zu Ps 106: προφητεία κλήσεως ἐθνῶν (Periochae 136,118 Bandt). Ps 106,10a–12b Der als Fragment 7b gezählte Text steht allein bei Niketas (Nd fol. 97v; Ne fol. 355rv; Nh fol. 492r), und zwar zu Vers 10a nach einem Exzerpt aus Theodoret und vor dem nächsten Lemma Vers 11. Für den Überschuß gegenüber dem Fragment 7a in A P C ist eine Quelle anzunehmen, da es nicht der Arbeitsweise von Niketas enstpricht, mehr als den einen oder anderen Ausdruck hinzuzufügen. Der μείζων-Satz ist eusebisch, denn der Gedanke, dass die Dankbarkeit infolge der Erinnerung an Übel größer wird, findet sich sehr ähnlich im Kommentar zu Ps 85,11: ἐπιστρέφει τοίνυν αὐτὸς ἑαυτὸν καὶ μνήμην ποιεῖται τῆς αὐτοῦ ἁμαρτίας, ἵνα μείζων γένηται ἡ πρὸς τὸν θεὸν εὐχαριστία (PG 23, 1036 D5–7). Die folgende Wortverbindung τὴν αἰτίαν παρατίθησι δι’ ἥν haben laut der Datenbank TLG nur Eusebius im Psalmen-Kommentar (PG 23, 201 A13) und Pseudo-Athanasius in den Expositiones (PG 27, 252 C12). Wollte man eine Kombination des Fragmentes in der Palästinischen Katene mit dem Niketas-Text wagen, würde am besten der Text ab μείζων, vielleicht bereits mit dem vorausgehenden ὡς ὁ θάνατος τῆς παρούσης, an der Stelle von ἐν ταύταις δὲ ἦμεν πάλαι πρότερον, zu setzen sein, wobei das bei Niketas fehlende πάλαι sicher zum ursprünglichen Bestand zu zählen ist. Allerdings ist dann der Gedankengang weniger flüssig. Ps 106,20ab Der als Fragment 10b gezählte Text aus Niketas lässt sich in seinem ersten Teil unschwer als Kürzung der entsprechenden Passage in Fragment 10a erkennen, bietet dann aber einen neuen Gedanken, der mit Eusebius zum Teil wörtlich belegbar ist. Die Formulierung ἀντὶ σκότους καὶ ἀγνοίας θεοῦ εἰς τὸ τῆς γνώσεως φῶς (φῶς < Nd) μετεστήσατο und inhaltlich das folgende πρὸς ἑαυτὸν ἑλκύσας erinnern an einen Satz im Fragment zu Ps 102,13–14: οὕτως οὖν ὥσπερ ἀπὸ σκότους τῆς τῶν ἁμαρτημάτων ἀγνοίας ἐπὶ τὸ φῶς τῆς αὐτοῦ γνώσεως μετεστήσατο ἡμᾶς. καὶ ταῦτ’ ἔπραξεν ὡς ἀγαθὸς πατὴρ σπλαγχνιζόμενος ἐφ’ υἱοῖς μεμηνόσι. Das Motiv vom Schatten des ewigen Lebens mag schon wieder einem anderen Autor angehören. Vor und nach dieser Texteinheit ist Gregor von Nyssa exzerpiert, woraus sich die Zuschreibung an diesen in Nh erklärt. Ps 107,4ab Dieses Stück ist anonym überliefert, aber seine Zugehörigkeit zu Eusebius lässt sich an der Positionierung ziemlich gut erkennen. Denn ihm voraus geht bei Niketas eine Paraphrase aus Theodoret zu Vers 4 (PG 80, 1752 A1–6) und dem wieder voraus eine Paraphrase der letzten beiden Sätze von Eusebs Fragment Nr. 2. Niketas hat also seine Euseb-Paraphrase mit einer solchen aus Theodoret unterbrochen. Es ist geradezu zu erwarten, dass Eusebius zu dem Völker-Motiv in Vers 4 erneut sein exegetisches Hauptmotiv angebracht hat. Inhalt und Sprache sind unverkennbar eusebisch; vgl. im ganzen Demonstratio II 2,21, wo sich unter anderem der Ausdruck findet: ἀποβολὴν τοῦ Ἰουδαίων ἔθνους διὰ τὴν εἰς Χριστὸν ἀπιστίαν αὐτῶν ἔσεσθαι (60,20–21 Heikel), und im besonderen zu ἤδη γὰρ ἐξ ἐκείνου προεώρα In psalmum 57,4–6 (PG 23, 520 C1). Das ἤδη und das προεώρα erlauben es nicht, das ἐξ ἐκείνου hier für das bei Theodoret stehende ἐξ ἐκείνου (PG 80, 1752 A2.3) zu halten, auch wenn jeweils und übereinstimmend die Menschwerdung bzw. die Epiphanie gemeint ist. Die Konnotation der Termini κλῆσις und θεογνωσία gibt es nur bei Eusebius (Demonstratio VI 2,2 = 253,6–7 und VII Prooemium = 297,3 Heikel). Das eröffnende ἀλλ’ erklärt sich aus der Einbettung bei Niketas; zu ergänzen ist ᾄδει Δαυίδ aus der vorangehenden Theodoret-Paraphrase. Ps 107,5ab Der Zuschreibung an Eusebius in Nd ist hier durchaus zu trauen. Der Text enthält keine Indizien, die gegen, stattdessen etliche, die für Eusebius sprechen: παρίστησιν ὁ λόγος, das Satzgerüst ἐπειδή – ἀναγκαίως, hinzu kommt die inhaltliche Ähnlichkeit mit dem Fragment 3 zu Ps 135, insbesondere das betont eingesetzte μέχρι innerhalb des Pronoia-Themas. Den Gedanken, dass die Pronoia nur bis zum Mond reicht, schreibt Eusebius in der Theophanie den Aristotelikern zu (II 20 = 88,31–33 Gressmann). Ps 109,1bc Zu Vers 109,1bc bringt Niketas ein weiteres Stück unter dem Namen des Eusebius. Auch in diesem Fall darf man der Zuweisung trauen. Denn die Konnotation τιμὴν καὶ δόξαν, die nicht zum Kontext des Psalmes gehört, war Bestandteil der Argumentation, die Eusebius in der Schrift De ecclesiastica theologia gegen Markell vortrug (III 15 = 172,18.21 Klostermann); dass in unserem Fragment die spezifisch anti-markellische These von der Ewigkeit der Herrschaft Christi nicht ausdrücklich begegnet, verschlägt in einem Kommentarwerk nicht. Die Wendung ἔσται καιρὸς ὁπηνίκα ist mit dem TLG nur bei Eusebius und Theodor von Mopsuestia nachzuweisen. Im übrigen erinnert der eschatologische Gedanke κατὰ πάντων ἀναλήψῃ βασιλείαν an Eusebs Auslegung von Psalm 92 (PG 23, 1185 C12–14): ὅτε δὲ νενικηκὼς τὸν θάνατον, τὴν κατὰ πάντων ἀπελάμβανε βασιλείαν. Ps 113,24ab Die Zuweisung an Eusebius bestätigt sich durch die eröffnende Formulierung: ἐπέκεινα οὐρανοῦ ist im TLG fast nur bei Eusebius zu finden: von den elf Belegen findet sich ein einziger bei einem anderen Autor. Der Ausdruck τὰ ἐπέκεινα οὐρανοῦ in Verbindung mit voranstehendem οὐρανός ist exklusiv eusebisch (vgl. beispielsweise De ecclesiastica theologia III 3 = 155,8 Klostermann). Das ganze Argument erinnert an das Motiv der Vorordnung des Menschen neben den übrigen Tieren auf der Erde in De laudibus Constantini 6,7 (208,10–15 Heikel), wo sich dasselbe νέμεται (208,8 Heikel) findet. Ps 117,3ab Die Zuweisung bei Niketas an Eusebius, selbst wenn sie verrutscht sein sollte, ist in diesem Fall ziemlich klar mit dem τάγματα-Motiv zu bestätigen. Denn das Fragment zu Vers 5a–9b setzt mit τὰ προδηλωθέντα τάγματα ein, wofür sonst ein Bezug fehlt. Die Bezeichnung von Israel, Aaron, Gottesfürchtige, mitunter auch Levi, als τάγματα scheint für Eusebius typisch zu sein. Ihre Darstellung findet man bei ihm immer wieder: vgl. die Fragmente zu Ps 21,24–25 (PG 23, 209 C14–212 A9); zu Ps 111,1–3; zu 127,1bc und zu Ps 134,19a–21b. Das Motiv von den τάγματα übernimmt Theodoret im Kommentar zu Ps 113,18–20 (PG 80,1793 B13–D9); es hat den Anschein, dass Niketas um diese Abhängigkeit wusste, als er ein Exzerpt daraus dem Eusebius zuwies. Ps 117,4ab Wichtigstes Kriterium für die Zuschreibung an Eusebius ist die verbale und inhaltliche Übereinstimmung mit der Hypothesis zu Ps 133: τοὺς ἔτι κατηχουμένους ἐν προθύροις τῆς πρώτης καὶ στοιχειώδους εἰσαγωγῆς ἑστῶτας , οὓς καὶ δούλους ὀνομάζει ἅτε μηδεπώποτε πνεῦμα υἱοθεσίας εἰληφότας. Niketas oder ein anderer Rezipient des Eusebius hatte, um den Vers 117,4a zu kommentieren, keinen Anlass, eine Verbindung zu Ps 133 herzustellen, da es dort nicht um das Thema der φοβούμενοι geht. Ps 117,15b–17b Niketas hat den Auszug in der Palästinischen Katene für zwei Einträge benutzt. Die erste Passage ἀπολωλότων – ἀγαλλιωμένων zieht er für Vers 15a heran und erweitert damit den Kommentar von Pseudo-Athanasius. Die zweite Passage αὕτη γὰρ – ἐκδιηγεῖσθαι übernimmt er in weitgehender Anlehnung an den Originaltext zur Kommentierung von Vers 16a. Zu Vers 17a bringt er einen weiteren Eintrag aus Eusebius (Fragment 7 zu Ps 117), der sich zwar wie eine grobe Paraphrase jener zweiten Passage lesen lässt, der aber doch, entsprechend Eusebs Art zu schreiben, die motivische Wiederholung mit einer neuen Akzentuierung versieht. Niketas benutzt ihn zugleich als Überleitung zum Lemma 17b, welcher Vers vielleicht auch im Original unmittelbar nochmals angeführt war. Ps 118,1d Der Psalm 118 fällt durch häufiges Wiederholen von zentralen Begriffen auf. Origenes hatte im Kommentar zum Vers 118,2 (La Chaîne Palestinienne 190–192 Harl) die Reihe νόμος, ἐντολή, κρίμα, δικαίωμα, μαρτύριον besprochen, Theodoret zu derselben Stelle dieselben Begriffe in anderer Reihenfolge und pluralisch – außer natürlich dem mosaischen Gesetz νόμος – nämlich νόμος, μαρτύρια, δικαιώματα, κρίματα, ἐντολαί. Origenes und Theodoret unterscheiden sich inhaltlich sehr deutlich. Eusebius hat offenbar, wie nun erkennbar ist, ebenfalls zu Beginn der Behandlung von Ps 118 eine ähnliche Begriffsserie in den Blick genommen, verfolgt aber ein wieder anderes Konzept und ändert auch die Reihe der Begriffe: ἐντολαί, νόμος, ὁδοί, μαρτύρια, κρίματα. Sprache und Aussageabsicht weisen so deutlich auf den Bischof von Cäsarea, dass sich eine detaillierte Beweisführung für seine Urheberschaft erübrigt. Der Zuweisung im Harleianus ist hier ohne weiteres zu trauen. Einen Hinweis auf seine Verfasserschaft gibt Eusebius sogar selbst, nämlich in dem Rückverweis zu Beginn der zweiten eusebischen Texteinheit, des Fragmentes zu Ps 118,2ab; dieser Hinweis ist meiner Meinung nach nicht von Niketas formuliert: ἀλλ’ ἐπειδὴ ταῦθ’ οὕτως ἡμῖν ἐξήτασται, καιρὸς δὴ ἄνωθεν ἀρξαμένους τὸν πάντα ψαλμὸν ἐπισκέψασθαι. Vermutlich stellt das Fragment zu Vers 2ab die unmittelbare Fortsetzung dar; sie wird auch von Niketas geboten, der den durchgehenden Eusebius-Text mit einem Eintrag aus Theodoret unterbrochen hat. Ps 118,2ab Der Text in den Hauptzeugen, den Devreesse in seinem unten unter „Vorarbeiten“ genannten Werk nicht verzeichnet, ist offenkundig unvollständig, lässt sich aber unschwer mit dem Text bei Niketas verbinden und erweitern. Dort verweist er im ersten Satz auf das vorausgehende lange Exzerpt und enthält im zweiten Satz die zu den δεύτεροι notwendige Ergänzung mit den πρῶτοι. Wie er in die Hesychius-Überlieferung (PG 93, 1337 C3–6) geraten ist, bleibt unklar. Die Überlieferung in den Hauptzeugen ist anonym. Harl setzt ein Fragezeichen. Der Stil spricht indessen deutlich für Eusebius: Die nur von Niketas wiedergegebene Wendung καιρὸς ἐπισκέψασθαι im ersten Satz ist gut eusebisch, auch mal wie hier in Verbindung mit ἀρξαμένους. Die ebenfalls nur bei Niketas zu lesende einleitende Formulierung διὸ εἰκότως λέλεκται ist typisch für Eusebius; ebenso ist der sowohl in der Palästinischen Katene als auch bei Niketas stehende wiederum einleitende Hauptsatz διασαφεῖ λέγων in der Position nach einem Fragesatz sehr häufig bei Eusebius zu finden. Das genügt, um die gesamte Passage an Eusebius zu geben, ihn also der Epitomierung und Anonymität im Hyparchetyp der Hauptzeugen zu entreißen und die Zuschreibung bei Niketas für glaubwürdig zu halten. Ps 118,58a Trotz der anonymen Darbietung darf Eusebius als Verfasser angenommen werden. Die sprachliche Reaktion auf das Aquila-Zitat ist sehr ähnlich wie im Fragment zu Vers 118,33ab. Ps 118,76ab Niketas gibt am Rand als Quelle Theodoret an, den er jedoch erst nach unserem Eusebius bringt, ohne dies, wie es seine Art ist, nochmals kenntlich zu machen. Dass wir es bei unserem Stück mit einem Fragment des Eusebius zu tun haben, lässt sich aus drei Indizien erhärten. 1) Die Version des Symmachus ist sonst nicht bekannt. Niketas konnte sie vermutlich nur aus Eusebius kennen. 2) Der Satzbau mit καιρός begegnet bei Eusebius mehrfach. 3) Die Formulierung μὴ καταποθῶ ὑπὸ τῆς ταπεινώσεως wird im folgenden Fragment mit οὐ καταποθήσομαι ὑπὸ τῆς ταπεινώσεως aufgegriffen, ist also auch dann eusebisch, wenn Niketas sie komponierend von dort übernommen haben sollte. Ps 118,101ab Die Richtigkeit der Zuschreibung an Eusebius im Fragment zu Ps 118,101ab wird durch die Verwendung der durchaus nicht häufigen Wortform ἐπαιδαγώγουν gestützt. Im Kommentar wird sie ähnlich eingesetzt: πάντα τὸν ἐμαυτοῦ βίον καὶ πάσας μου τὰς πράξεις ἐπαιδαγώγουν (In psalmum 24,2–3 = PG 23, 233 C15–D1). Ps 118,137ab Das Symmachus-Zitat im ersten Fragment dürfte aus Eusebius genommen sein, da er hexaplarische Zitate häufig mit zwei Verben einleitet und insbesondere neben Theodoret und Theodor der einzige Exeget ist, der die Version des Symmachus regelmäßig als σαφέστερον bezeichnet. Fortgeführt wird das Zitat mit einem kurzen Exzerpt aus Gregor von Nyssa, worauf das zweite Eusebius-Fragment sowie ein Auszug je aus Theodoret und Euthymius folgen. Ps 119,2ab Die Fassung des Fragmentes bei Niketas enthält eine Erweiterung in gut eusebischem Stil. Zu ῥυσθῆναι οὐ τὸ σῶμα αὐτοῦ, ἀλλὰ τὴν ψυχήν vgl. Demonstratio V 11,2 (234,10 Heikel): σωθείς γε οὐ τὸ σῶμα, ἀλλὰ τὴν ψυχήν. Der ἀσκητέον-Satz ist vielleicht anderen Ursprungs. Ps 119,6a Niketas gibt als Verfasser Eusebius an. Seinen häufig richtigen, häufig aber auch falschen Zuweisungen möchte man hier wieder ohne weiteres vertrauen, da der Text zwei auffällige Merkmale der eusebischen Diktion enthält: σφόδρα ἀκριβῶς ist bei anderen christlichen Exegeten selten, sehr häufig aber bei Eusebius; in Verbindung mit einem Verbum des Sagens (hier λέγων) begegnet es nur bei Eusebius. Διὸ λέλεκται ist eine typisch eusebische Zitateinleitung. Die Formulierung ἐπὶ τὴν οἰκείαν πατρίδα ἐπανιούσῃ weist ebenfalls auf Eusebius. Der Text ist bei Niketas eingebettet zwischen je einen Auszug aus Chrysostomus und Maximus Confessor, der als Origenes ausgegeben wird. Da sich beide identifizieren lassen, ist die Abgrenzung verhältnismäßig sicher. Bei Niketas kann jedoch nie ausgeschlossen werden, dass er einen weiteren, ungenannten Autor verschmolzen hat. Ps 119,7ab Sowohl in der Palästinischen Katene als auch bei Niketas wird das Fragment dem Eusebius zugewiesen, aber in der Palästinischen Katene beginnt der Text mitten im Satz. Niketas bietet einen vollständigeren und einfacher zu verstehenden Text. Bei dem Nachsatz ἅτε ἀλλότριον αὐτῶν ὄντα ist eine Eusebius-Imitation durch den Katenisten nicht auszuschließen. Ps 123,1b–3a Die Zuweisung in den Handschriften wird durch eusebische Formulierungen bestätigt: Vgl. εἰς βυθὸν κακῶν χωρήσας mit In psalmum 34,23–26 = PG 23, 313 C6 (im Kontext mit Tod und Verschlingen) und εἰς παντελῆ χωρήσας ἀποστασίαν mit In psalmum 17,20–21 = PG 23, 176 C9–10 und In psalmum 32,16–19 = PG 23, 288 C5–6 (im Kontext mit Tod und Sünde). Sehr häufig finden sich bei Eusebius die Wendungen κατὰ τοὺς τῶν διωγμῶν καιρούς und ἐν καιροῖς διωγμῶν. Ps 128,5ab Für Eusebius, dem das Fragment in Nh zugewiesen ist, sprechen eindeutige sprachliche und inhaltliche Merkmale: Der Ausdruck τὸ τῆς θεοσεβείας πολίτευμα, häufiger τὸ θεοσεβὲς πολίτευμα, ist typisch für die Exegese der Stadt Jerusalem; siehe zum Beispiel das Fragment zu Ps 126,3ab oder die Auslegung von Psalm 45 (PG 23, 408 D6); Eusebius selbst sagt im Jesajas-Kommentar (II 50 = 369,16–17 Ziegler): πολλάκις δὲ ἡμῖν ἀποδέδοται τὸ θεοσεβὲς πολίτευμα ἐν ψυχαῖς ἀνθρώπων θεοσεβῶν νοούμενον πόλις θεοῦ καὶ Ἱερουσαλὴμ ὠνομάσθαι. Die seltene Konnotation von καταστολή mit εὐστάθεια findet sich bei ihm ebenso (Eclogae propheticae 209,21–22 Gaisford) wie die von εὐσταθής mit εἰρηναῖος (beispielsweise In Isaiam I 26 = 15,9 Ziegler). τὰ ἐπέκεινα τῶν ὁρωμένων gibt es so nur noch bei Eusebius (De ecclesiastica theologia I 20, 27 = 85,22 Klostermann). Die ganze Behandlung von Sion ähnelt derjenigen im Kommentar zu Psalm 98 (PG 23, 1236 C1–7), wo auch das charakteristische ὁποῖος ἦν λέγων zur Einleitung eines Paulus-Zitates begegnet; im vorliegenden Fall handelt es sich sogar um dieselbe Paulus-Stelle. Ps 129,2bc Die Zuschreibung des kurzen Fragmentes an Eusebius in N wird durch den eröffnenden Imperativ τήρει ὅπως bestätigt. Er findet sich nicht in V (fol. 321v), wo der Satz gegen Ende einer längeren, dem Eusebius zugewiesenen Texteinheit (= PG 24, 24 B3–C11) in sekundärer Form auftaucht. Ps 134,3b Das zweite Fragment zu diesem Vers steht bei Niketas unmittelbar nach dessen Auszug aus dem Text des ersten Fragmentes. Deutlich eusebisch ist die Formulierung διὰ ... τῶν σωματικῶν ὀργάνων τὸν πρέποντα ὕμνον αὐτῷ ἀπόδοτε. In De laudibus Constantini ist zu lesen: (διὰ) σωμάτων ὥσπερ διὰ μουσικῶν ὀργάνων τοὺς πρέποντας ὕμνους αὐτῷ ... ἀναπέμπουσιν (10,5 = 223,3–5 Heikel). Ps 134,6a–c Das zweite, kurze Bruchstück empfiehlt sich durch die Zitat-Einleitung διὸ λέλεκται als eusebisch. Außer Origenes (fünf Belege im TLG) und an einigen fragwürdigen oder von Eusebius abhängigen Stellen (fünf Belege) scheint sie nur Eusebius (165 Belege) verwendet zu haben. Ps 134,7 Die drei Stücke mit den Nummern 8–10 sind, wie mir scheinen will, derselben Quelle entnommen. Gestik und Lexik sind bei Eusebius, wenn auch nicht ausschließlich, nachweisbar. Seine Hand exklusiv kennzeichnend aber ist der Imperativ καὶ θέα τίνα τρόπον, den laut TLG niemand sonst verwendet. Auf Eusebius weist auch die Wortverbindung ἀποκρύφων καὶ ἀπορρήτων ταμιείων hin (vgl. In psalmum 39,6–9 = PG 23, 356 D10–11). Ps 135,4ab Eusebius formuliert den Beginn des Argumentes wie im Kommentar zu Ps 95,2 (PG 23, 1220 A8–9: εἰ μὴ συνιέναι τίς ἐστιν ὁ τοῦ σύμπαντος κόσμου δημιουργός) und mündet dort in den (auch an anderen Stellen begegnenden) Ausdruck ἀφανεῖ καὶ ἀοράτῳ δυνάμει (A12) wie hier in ἀφανῆ καὶ τὴν ἀόρατον τοῦ θεοῦ δύναμιν. Die Zusammenstellung des Imperativs διάνοιξον τοὺς τῆς διανοίας ὀφθαλμούς mit dem exklusiv eusebischen Imperativ λόγισαι παρὰ σαυτῷ begegnet in De laudibus Constantini 16,8 (251,2–3 Heikel),5–6; vgl. In Isaiam II 39 (325,19 Ziegler): ἐννόησον παρὰ σαυτῷ καὶ λόγισαι. Weitere eusebische Ausdrücke sind λογικῶς καὶ σοφῶς (vgl. De ecclesiastica theologia I 8,4 = 67,1 Klostermann) und ἄνευ λόγου καὶ σοφίας (In psalmum 57,5–6 = PG 23, 688 B13–14). Ps 135,7a–9b Das Fragment ist im längeren ersten Abschnitt auf Vers 6a zu beziehen; ich folge jedoch der Lemma-Zuordnung in N. Das auffälligste Merkmal, das es als Eigentum des Eusebius erweist, ist die Aussage über die Erde: Vokabular und Konnotation in der Formulierung τὴν γῆν στερέμνιον καὶ βαρὺ στοιχεῖον ὀχεῖσθαι sind dieselben wie in der Demonstratio IV 5,6 (155,34 Heikel) in der Praeparatio VII 10,2 (379,15 Mras) und im Kommentar zu Ps 23,1 (PG 23, 220 D5–9). Die den zweiten Abschnitt eröffnende Wendung ὁ μὲν οὖν πρὸ τούτου ψαλμός bezeugt der TLG nur für Eusebius; ebenso gibt er für die Zitateinleitung ἐν οἶς ἔφασκε unter den Exegeten Eusebius allein an. In inhaltlicher Hinsicht ist das hier beschriebene Verhältnis von Erde und Wasser gut vereinbar mit der Darstellung der Trennung beider Elemente im Kommentar zu Ps 89,1–2, wo er sich ebenfalls, wenn auch nicht wortgleich, auf Physiker beruft (PG 23, 1125B–1128B). Ps 135,10a–12b Der zweite Abschnitt des Fragments, den die Palästinische Katene nicht enthält, schließt sich nahtlos an. Vokabular und Konnotationen sind vollständig in eusebischen Schriften nachweisbar. Ps 135,13ab Dieselbe Information, ebenfalls beginnend mit ἑβραίων παῖδες, teilt Eusebius im Kommentar zu Ps 77,13 unter Zitation von Ps 135,13 mit (PG 23, 913 A12–15). Die sprachliche Gestaltung ist jeweils selbständig, so dass sich die Annahme verbietet, der Katenist habe die Aussage von dort übernommen. Ps 138,14a Das Fragment trägt unverkennbar eusebisches Gepräge, ist also zu recht dem Eusebius zugewiesen. Die wichtigsten Merkmale sind: Für die Satzeröffnung καὶ θέα τίνα τρόπον gibt die Datenbank TLG ebenso allein Stellen aus Eusebius an wie für die Zitat-Einleitung εἰκότως ἐπιλέγει. Gut eusebisch ist außerdem die Verbindung von θαυμάσια und θεολογία. Ps 139,3a Die Zuschreibung an Eusebius bestätigt sich durch sprachliche Übereinstimmungen mit der Auslegung von Ps 57,4–6 (PG 23, 520B–521A); vgl. insbesondere κρύπτειν ἐν αὐτοῖς τὸν θανατηφόρον ἰὸν (521A8) mit ἔκρυπτε δὲ ἐν τοῖς ἑαυτοῦ λόγοις τὸν θανατηφόρον ἰόν in vorliegendem Fragment. Der darauf folgende Satzbeginn τοιοῦτοι δ’ ἂν εἶεν ist für Eusebius ebenso charakteristisch wie der Ausdruck οἱ ἄθεοι αἱρεσιῶται. Der Formulierung κρύπτοντες τὴν ἑαυτῶν κακίαν zu Beginn des Fragmentes entspricht ἀποκρύπτειν τὴν αὑτῶν κακίαν im Kommentar zu Ps 93,3–4 (PG 23, 1196 C13–14). Ps 140,8ab Eusebisch ist in diesem Fragment vor allem der Ausdruck βασκαινόντων τῇ κατὰ θεὸν αὐτοῦ προκοπῇ (vgl. In psalmum 69,2–4 = PG 23, 769 B5–6 und In psalmum 85,11 = PG 23, 1037 B4). Ps 141,3a–4a Das zweite Fragment ist in N dem Exzerpt zu Vers 4a aus Theodoret hinzugefügt. Die Doppelzuweisung an Theodoret und Eusebius, die in Nd auf Eusebius verkürzt wurde, trägt dem Rechnung. Die Lexik des Satzes ist für Eusebius gewöhnlich, der Tonfall ähnelt dem ersten Satz des Bruchstückes aus der Palästinischen Katene. Ps 144,10a–12b Übereinstimmend mit der Palästinischen Katene bietet Niketas den Text von Beginn des Fragmentes bis τῆς ἐξομολογήσεως ἀποδιδόασιν, durchsetzt ihn jedoch mit Auszügen aus Chrysostomus, Theodoret und Euthymius. Die Texteinheit mit dem Fragment 6b, in den Handschriften nicht eigens kenntlich gemacht, schließt unmittelbar an den mit δημιουργικῆς δυνάμεως endenden ersten Abschnitt des Fragmentes aus der Palästinischen Katene an und kann als Explikation der zuletzt gemachten Aussage gelesen werden. Die Ausdrucksweise ist deutlich eusebisch, insbesondere τῶν λοιπῶν μερῶν τοῦ κόσμου sowie εἴσεται ὅπως und πάντα τὰ καθόλου καὶ τὰ κατὰ μέρος. Ps 144,17a Mit dem für Eusebius bei Strukturbeobachtungen so typischen ἀκολούθως wird auf den Inhalt des vorausgehenden Fragmentes zurückgegriffen. Die anscheinend nur von Eusebius assoziierten Prädikate εὐεργετικός und πανάγαθος sind auf den dort genannten πατήρ zu beziehen. Im Kontext von πατήρ werden sie auch in der Demonstratio verwendet (IV 13,3 = 171,19–20 Heikel). Ps 145,3ab Aus Eusebius belegbar ist je einmal die seltene Verbindung von θαυμάζειν mit dem Plural ἀξιώματα (In psalmum 1,1 = PG 23, 76 C6–7) und die ebenso seltene mit τὰς ἐν ἀνθρώποις ἀρχάς. Letzteres findet sich in der Auslegung zu derselben Psalmenstelle im zwölften Buch der Praeparatio (XII 30,6 = 125,8–9 Mras). Am Ende des folgenden Fragmentes (zu Ps 145,3a–4b aus der Palästinischen Katene) wird dasselbe Bewunderungsmotiv nochmal aufgegriffen. Ps 145,6ab Bereits der auffällige Beginn des Fragmentes mit σφόδρα verweist auf eusebische Diktion, deren Eigenart im weiteren besonders in den Ausdrücken τὸ διαρκὲς καὶ ἄπειρον τῆς τοῦ θεοῦ ζωῆς und εἰς (wie vielleicht statt des ungewöhnlichen ἐπ’ in N zu lesen ist) ἄπειρον αἰῶνα und τὴν ἐλπίδα ἀναρτησάμενος zum Vorschein kommt. Die Unveränderlichkeit der Naturordnung betont Eusebius auch in Contra Hieroclem 6 (110,4–12 des Places), wo man auf dasselbe ἅπαξ wie hier stößt. Bei ἄρχων ἐν ἀνθρώποις ἀνήρ mag er an Alexander den Großen gedacht haben, für dessen Tod er in der Vita Constantini ebenfalls die eher seltene Umschreibung τὸ χρεὼν ἐπιστάν gebraucht (I 7,2 = 18,10 Winkelmann). Ps 146,7ab Das zweite Fragment zu diesem Lemma findet sich bei Niketas in unmittelbarer Fortführung seiner Wiedergabe des vorausgehenden Stückes und gibt so vielleicht die originale Plazierung wieder. Vokabular und Stil zeigen die Art Eusebs. Seine Verfasserschaft tut sich im letzten Satz zweifelsfrei kund. Die Formulierung τῷ θεῷ τῷ παρ’ Ἑβραίοις μόνοις τὸ παλαιὸν γνωριζομένῳ entspricht der Aussage τῆς Ἰουδαϊκῆς χώρας, καθ’ ἣν μόνην γνωρίζεσθαι ἐνομίζετο τὸ παλαιὸν ὁ θεός im Jesajas–Kommentar (II 19 = 259,25 Ziegler). Ps 146,8a–9b Das erste Stück zu diesem Lemma, das als Nr. 10 gezählte Fragment, ist in N unmittelbar an die vorausgehende Nr. 9 angehängt. Auf eusebische Verfasserschaft weisen die Ausdrücke ἀθρόως ἀφανῆ (vgl. De laudibus Constantini 7,11,2 = 215,11 Heikel) und die Explikation von περιβάλλοντι τὸν οὐρανόν in Vers 8a durch τοσοῦτος οὐρανός im Jesajas-Kommentar (II 18 = 254,4 Ziegler); vgl. τοσοῦτον κύτον ebd. 253,31. Das elfte Fragment endet mit dem Imperativ τούτῳ τοίνυν ἐξομολογεῖσθε, der auf das τούτῳ ἐξομολογεῖσθαι im Fragment Nr. 9 zurückgreift. Die Sprache ist womöglich nicht an allen Stellen eusebisch. Das Motiv des Grases, das für das Vieh von selbst wächst, wiederholt indessen deutlich die Aussage aus dem Fragment zu Ps 103,14–15, und die Formulierung τεταγμένοις καιροῖς καὶ μέτρῳ τινὶ φέρεται ἐπὶ γῆς zu Beginn des zweiten Abschnittes erinnert an eine Stelle in De laudibus Constantini: μέτρῳ μὲν εἰσάγει (scil. τὴν ῥευστὴν φύσιν) τῇ γῇ, χρόνοις δὲ ὡρισμένοις (11,15 = 229,4–5 Heikel; vgl. Theophanie I 18 = 44,14–15 Gressmann). Ps 147,5a–7b Das Fragment zeigt deutlich jenen rhetorischen Gestus, den Eusebius bevorzugt in kosmologischen Fragen benutzt hat, beispielsweise in der Theophanie I 6–14. Auffällig ist auch hier die unvermeidliche Verwendung von ἀθρόως. Ps 148,7a–10b Die Fragmente 4 bis 7 zum Psalm 148 sind augenscheinlich derselben Quelle entnommen und werden in der Überlieferung konsequent dem Eusebius zugewiesen. Zwischen sie hat der Katenist jeweils mehrere andere Texteinheiten gesetzt, aber es ist offenkundig, dass in unseren Textstücken die Bibelverse auf eine einheitliche Art und Weise und in derselben Sprache erklärt werden. Auf Eusebius weisen im Text Nr. 4 die Motive von der Fesselung des Feuers und seiner Anwesenheit im Holz in der Theophanie I 8. Deutlicher sind die Indizien im Fragment Nr. 7: τοῦ κόσμου μέρη ist ein häufiger Ausdruck bei Euseb, meist zwar für Gestirne und Elemente (letztere werden ausdrücklich dazugezählt in De laudibus Constantini 11,13 = 227,26–27 Heikel), doch ergibt sich aus ἐν κόσμῳ μέρεσιν im Fragment zu Ps 135,23a.24a–26b, dass er auch für Lebewesen gelten kann. Die insgesamt sehr seltene Konnotation von ἀφορίζειν und objektivem τάγμα findet sich in Kommentaren nur bei Eusebius (In Psalmum 81 = PG 23, 984 B3–4). Für die Formulierung ἐν ὅλοις τούτοις gibt der TLG nur drei Stellen an, eine davon bei Eusebius im ersten Buch des Jesajas-Kommentars (98, 6–7 Ziegler): ἐν ὅλοις τούτοις τῆς οἰκουμένης μέμνηται ὁ λόγος, die Wendung ist also mit ähnlichen Worten weitergeführt, der Satzbau ist identisch. Ps 148, 11a–13c Das Fragment Nr. 8 wird von Niketas noch dem Lemma Vers 10b zugeordnet. Der Text ist in Auszüge aus Theodoret eingearbeitet, woher die Doppelangabe Theodoret und Eusebius im Harleianus rührt; im Coislinianus ist davon nur Eusebius geblieben. Der eusebische Anteil kann, da Theodoret direkt überliefert ist, sicher herausgelöst werden. Der erste Satz setzt Motivik und Logik der vorausgehenden Texteinheiten, bei mir als Nr. 4 bis 7 gezählt, fort. Strukturbeobachtungen am auszulegenden Text oder seine eigene Vorgehensweise leitet Eusebius gern mit διελθών ein, das entsprechende finite Verbum ist unterschiedlich; μέτειμι bzw. μέτεισι mit ἐπί wie hier verwendet er an zwei Stellen (Praeparatio VIII 1,1 = 419,8 Ziegler und XIV 1,1 = 259,6–7 Ziegler). Dieses Satzgerüst διελθὼν – μέτειμι ἐπί findet der TLG sonst nur einmal bei Photius (Bibliothek 221b12 Bekker). Die Wörter ἀθρόως und ὁμοῦ gehören zu oft wiederholten Ausdrücken der Gemeinsamkeit. Der Text Nr. 9 ist in Inhalt, Wortwahl und Darstellungsart sozusagen klassischer Eusebius. Es genügt, auf den Vergleich mit der λύρα hinzuweisen. Er findet sich in derselben Entfaltung, von πολυχόρδῳ bis μουσικῇ, fast wortgleich in De laudibus Constantini 12,11 (232,32–233,1 Heikel), in der Theophanie I 28 (506–9 Gressmann) und in De martyribus Palaestinae (recensio prolixior) 11,1 (933,2–4 Schwartz / Mommsen). Ps 150,6c Den letzten in P überlieferten Satz, der mit ἐπιτελῶν endet, teilend fügt Niketas noch zwei weitere Sätze an, in denen Eusebius ein Hauptmotiv seiner Auslegung wie in einem hymnischen Abschluß zusammenfasst. Die zentralen Wörter ἀναπέμπειν und ἀθρόως begegnen immer wieder durch den gesamten Kommentar hindurch.

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Eusebius Caesariensis, Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50), ed. Franz Xaver Risch Editor Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Text: The Greek Library, from the Perseus Digital Library and other open sources, CC BY-SA 4.0. Changes: apostrophes normalised and the text divided into reading sections by Interlinea.
License: CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/). Source: https://thegreeklibrary.pages.lisn.upsaclay.fr/works/tlg2018.tlg034.local003/.
