# Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50) 1.Zum Problem der Expositiones in psalmos von Pseudo-Athanasius.1

Eusebius, Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50), Praefatio 1, Die Überlieferung. Ancient Greek.

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Der Kommentar des Eusebius war Hauptquelle einer Psalmenkommentierung, die seit je dem Athanasius von Alexandreia zugeschrieben wurde und unter anderen in den Codices Parisini 166–167 verarbeitet war, auf denen die heute bekannten Expositiones in psalmos (CPG 2140) in Mignes Patrologia beruhen (PG 27, 60–545). Dass Eusebius Quelle für diesen Pseudo-Athanasius war, hat schon Niketas gesehen. Im Nachwort zu seiner Psalmenkatene (Nd fol. 259r; Nh fol. 652v) urteilt er richtig, dass Athanasius den Eusebius paraphrasiert habe: ὁ μὲν (= Ἀθανάσιος) τὰ ἐκείνου (= Εὐσεβίου) παραφράζων. Dass er damit einen anderen „Athanasius“ meint als jenen Autor in den Expositiones in psalmos, steht nicht zur Debatte. Alle Passagen, die mit dem Namen des Athanasius, viele, die mit dem Namen des Eusebius oder mit beiden gekennzeichnet sind, sowie viele andere, anonym gebliebene oder gewordene Partien sind diesem Werk und nicht einem anderen Athanasianum zuzuweisen. Nur einmal, im Kommentar zu Ps 150,5 (Nd fol. 257v; Nh fol. 651rv), finden sich wenige Sätze, die er aus einem echten Athanasius-Text übernommen hat, nämlich aus dem Abschnitt 29 der Epistula ad Marcellinum (CPG 2097), die meines Wissens innerhalb der Katenen sonst immer zu den Prologen gezählt und nicht für die Kommentierung exzerpiert wurde. Wie häufig bei den Exzerpten aus Pseudo-Athanasius, gibt er auch bei dieser Epistula den Namen des Eusebius an, vielleicht weil er wiederum, als wäre es selbstverständlich, dieselbe Abhängigkeit annahm. Zweifelsohne verwertete der Autor der Expositiones in psalmos Teile des eusebischen Psalmenkommentars, die für uns verloren sind. Viele Texteinheiten gehen motivisch und sprachlich auf Eusebius zurück. Von meinem ursprünglichen Vorhaben, ihn als Quelle für die Edition der Fragmente zu nutzen, habe ich jedoch Abstand genommen. Zum einen zeigt sich in den Abschnitten, die mit den Fragmenten in der Palästinischen Katene verglichen werden können, dass der Stil in hohem Maße vereinfacht wird. Der Autor hatte nicht die Absicht, die eusebische Argumentation ausführlich zu referieren. Er war nur an der Quintessenz der in ihr verfochtenen These interessiert. In sein Konzentrat übernahm er zwar auch unverkennbar eusebische Lexik, aber der originale Wortlaut ist in seinem Zusammenhang doch weitgehend verdrängt, der Diskurs unterschlagen, die Ausführung nicht referiert. Abschnitte, für die eine Vergleichsmöglichkeit nicht gegeben ist, bleiben überdies immer noch zu sehr mit Fragen der Authentizität behaftet, als dass sie als Fragmente angesehen werden dürften. Zum anderen und vor allem ist das Werk der Expositiones in psalmos bis heute noch gar nicht identifiziert. Die von Migne nachgedruckte Mauriner Edition stellt eine Kompilation mit anderen Quellen dar. Auch was als sogenannte „Athanasius-Serie“ im Codex Vaticanus 754 zu lesen ist, dürfte nicht das ursprüngliche Werk sein. Im übrigen ergibt sich aus der syrischen Übersetzung aus dem Ende des siebten Jahrhunderts, dass der Text ihrer Vorlage mit dem uns vorliegenden Pseudo-Athanasius nicht kongruent ist. Die Untersuchung dieses Pseudo-Athanasius auf eusebisches Gut hin, um es einmal in einer Testimoniensammlung mitzuteilen, muss besonders behutsam vorgenommen werden und kann erst in Angriff genommen werden, wenn das Werk erkannt und kritisch ediert ist. An der Universität Wien wurde unter Leitung von Uta Heil bereits die erste Phase einer Rekonstruktion der Expositiones in psalmos begonnen. Doch selbst dann, wenn die Ergebnisse des gesamten Projektes vorliegen, können meiner Überzeugung nach nur Referate und keine sicheren neuen Fragmente des originalen Textes gewonnen werden.

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Eusebius Caesariensis, Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50), ed. Franz Xaver Risch Editor Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Text: The Greek Library, from the Perseus Digital Library and other open sources, CC BY-SA 4.0. Changes: apostrophes normalised and the text divided into reading sections by Interlinea.
License: CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/). Source: https://thegreeklibrary.pages.lisn.upsaclay.fr/works/tlg2018.tlg034.local003/.
