Ancient Greek
Praefatio 1, Die Überlieferung
Eusebius Scr. Eccl. et Theol., Commentarii in Psalmos (Tom. I: Ps 1–50) 1.Zur Paraphrasentradition.1
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Die eben behandelten Codices Ca und Cb sind in eine komplexe Überlieferung eingebunden, deren Stemmatisierung im Rahmen einer Edition von Auszügen aus einem einzelnen Autor nicht erbracht werden kann. Das gilt erst recht für die weitaus üppigere Paraphrasentradition, die sich auf mehrere Katenentypen verteilt. Die paraphrastisch bedingten Abweichungen systematisch anzugeben, wäre verwirrend; eine umfassende Analyse der Umschreibungen dient der intendierten Herstellung des Originaltextes einer einzelnen Quelle nur wenig. Überdies kann schon im Rahmen der staatlicher Wissenschaftskontrolle verpflichteten Zeitplanung eine aufwendige Gesamterfassung für eine wie hier vorliegende Edition nicht geleistet werden. So habe ich die Zeugen der von Dorival so genannten Konstantinopolitanischen Katenen und ihrer Gruppierungen, für die jeweils erst die Abhängigkeitsverhältnisse zu durchleuchten und ein kritischer Text zu erstellen wäre, nicht berücksichtigt und mich mit den Versionen Wa und V begnügt, da deren Entstehungszeit vor der rezenten Hauptüberlieferung liegt und zwischen ihnen kein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Immerhin zeigt sich, dass die Paraphrasentradition in Einzelfällen von Interesse ist. (Wa) Vindobonensis theol. gr. 8 (10. /11. Jh.) Der Wiener Kodex besteht aus zwei heterogenen Randkatenen, die nicht etwa den Psalmtext, sondern den Psalmen-Kommentar Diodors umgeben. Die zweite Katene ist aus Exzerpten aus Theodoret und Scholien von Origenes zusammengesetzt. Für Eusebius ist also nur die erste von Belang. Sie wird von Karo und Lietzmann als Typ V gezählt. Die Bearbeitung der Palästinischen Katene umfasst Ps 1 bis einschließlich Ps 118 auf 222 Folia; der Text zu Ps 101 setzt 163r ein. In Einzelfällen kann die großzügig auswählende und in vielen unwesentlichen Details abweichende Handschrift durchaus bedeutend sein: Im Fragment zu Ps 106,4a–5b stützt sie mit ἡμεῖς ἦμεν οἱ die Hauptzeugen gegen die konkurrierende Lesart οἱ μεμισημένοι in C. Wa hat versucht, die beiden Fenster zu Beginn des Fragmentes zu Ps 101,25b–29b zu schließen, zeigt dabei aber mit den Ausfüllungen αὐτοῦ ἀπό für das in C zu findende und wohl richtige μέχρι τῆς ἐκβάσεως und καιρῶν συνιδὼν τό für συνορᾷ τὸ ἀδύνατον διὰ τό wenig Geschick. Die beiden Fenster am Ende desselben Fragmentes, an deren Stelle in C kein Text vorliegt, werden dagegen sinnvoll ausgefüllt, wobei das zweite von ihnen durch einen Blick in die Bibel geschlossen werden konnte, das erste vielleicht nur glücklich geraten ist. Fraglich bleibt, ob die ältere Handschrift Wa hier einen älteren Text als den von A P repräsentiert und das Fenster wirklich erst später entstanden ist. (V) Vaticanus gr. 754 (10. Jh.) Der Codex Vaticanus gr. 754 aus dem zehnten Jahrhundert, der in der Forschung bereits viel Aufmerksamkeit erfahren hat, gruppiert um den Psaltertext eine Bearbeitung der Palästinischen Katene, die von Karo und Lietzmann zum Katenentyp XIII, seit Marcel Richard dagegen zum Typ XIX gezählt wird, die pseudo-athanasianischen Expositiones in psalmos, den Psalmen-Kommentar des Evagrius und in einer eigenen Gruppe hexaplarische Lesarten. Der große Wert des Vaticanus besteht nicht so sehr in der Qualität –alle vier Quellen werden meiner Einschätzung nach durchgehend in sekundärer Textgestalt geboten –sondern in ihrer genauen Trennung des Materials in einem konsequent durchgehaltenen vierfachen Verweissystem. Dadurch sind die „Athanasius-Serie“, deren Texteinheiten mit großen Zahlzeichen markiert wird, und der mit kleinen Zahlzeichen versehene Kommentar des Evagrius klar von den hexaplarischen Informationen getrennt, die mit den Anfangsbuchstaben der Übersetzer gekennzeichnet sind. Die Eusebius belangende Paraphrase der Palästinischen Katene ist durch wechselnde Zeichen und häufig auch an der Anführung von Autorennamen fassbar. Die Euseb-Stücke sind zum Teil auch dort zugewiesen, wo sie in den Hauptzeugen anonym sind. Ab Ps 108 (fol. 276r) finden sich unter dem Namen des Eusebius zusätzlich zu den paraphrasierten Fragmenten Scholien von Origenes. Ihre Identität lässt sich an der zweiten Randkatene des Vindobonensis theol. gr. 8 unproblematisch feststellen. Der in V wiedergegebene Text ist die Bearbeitung einer Vorlage, die älter ist nicht nur als A P, sondern auch als C. Daher kann er nicht nur zur Stützung der Haupttradition gegenüber C herangezogen werden, so im Fragment zu Ps 105,40a–42b mit der Wendung καὶ περὶ ἑτέρου ἔθνους oder im Fragment zu Ps 113,9a–11b mit ἀνάξιοι gegen ἄξιοι oder im Fragment zu Ps 118,34ab mit σώματος gegen στόματος. Er kann auch einen tiefer liegenden Defekt ausgleichen: Im Fragment zu Ps 107,3ab lässt sich an dem Ausdruck διὰ μὲν τῆς κιθάρας ablesen, wie die in A P C vorliegende Störung zu beseitigen ist. Der textkritische Wert einer Paraphrase ist natürlich nicht einfach aufzuspüren. Hat man es mit einer Lesart zu tun oder mit einer Umschreibung? Im Falle von V gilt dies sogar für Bibelzitate. Das Symmachus-Zitat im Fragment zu Ps 118,9ab gibt V in einer Vermischung mit dem LXX-Wortlaut wieder: ἐν τίνι λαμπρύνη νεώτερος τὴν ὁδὸν αὐτοῦ steht an der Stelle von διὰ τίνος λαμπρύνει νέος τὴν ὁδὸν αὐτοῦ; Man kann auch auf sinnlose Verschreibungen treffen wie ἁμαρτήσαντας für ἀναρτήσαντας im Fragment zu Ps 117,27bc oder προτάκτικον für πρακτικόν im Fragment zu Ps 143,9ab. Wenn der Vaticanus aber die beiden letzten Sätze des Fragmentes zu Ps 140,2a in einer gegenüber A P eigenen Formulierung bringt, könnte man meinen, man lese Eusebius unmittelbarer als in A P. Seine Phrase klingt zwar an den Text in A P an, enthält aber zusätzlich das typische ἀκολούθως. Sein Satz lautet: εἰπὼν δὲ περὶ τῶν κατὰ διάνοιαν καὶ φωνὴν ἀκολούθως μνημονεύει καὶ τοῦ κατὰ θεὸν πρακτικοῦ λέγων.