Ancient Greek · ~10 min
Praefatio 1
Athanasius Alexandrinus, Epistula ad Dracontium 1
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Dracontius war vor seiner Bischofsweihe Vorsteher eines uns nicht bekannten Klosters (vgl. 7,2), ehe er als Nachfolger des Agathammon (zuletzt genannt im Jahr 346/47, vgl. apol. sec. 49,3 Nr. 198) Bischof von Hermupolis parva (vgl. tom. 10,2; Pall. ,h. Laus. [copt.] 10,1) wurde. 356/57 gehörte er zu den verbannten Anhängern des Athanasius (vgl. fug. 7,4; h. Ar. 72,4; Ammon. Aeg. ,ep. 32, PTS 27, 155,3f. Goehring) und nahm 362 an der Synode von Alexandrien teil (vgl. tom. 10,2). 368 war er tot, da Athanasius im Festbrief dieses Jahres (ep. fest. 40) Isidor als seinen Nachfolger nennt. Athanasius schreibt an Dracontius, weil dieser sein Bischofsamt verlassen hatte, nachdem aus monastischen Kreisen, vielleicht aus seinem ehemaligen Kloster, Kritik an seiner Weihe und der Übernahme eines Bischofsamtes laut geworden war. Nach 5,1 hatte Dracontius sich als Mönch offenbar verpflichtet, kein kirchliches Amt anzunehmen, da ein solches im Widerspruch zu den monastischen Idealen angesehen wurde (vgl. 9,1; 10,3; s. auch vit. Pachom. 30). Demgegenüber behaftet Athanasius Dracontius auf die aus der Weihe erwachsenen Pflichten gegenüber seiner Gemeinde (vgl. 2,3; 10,1f.) . Gegen die monastische Amtskritik zeigt er, daß zum einen das Bischofsamt dem Mönchtum vorgeordnet ist (vgl. 4,1; 10,3) und zum anderen kirchliches Amt und monastisches Leben durchaus miteinander vereinbar sind (vgl. 9,1f.) . Der Brief wurde von dem Presbyter Hierax und dem Lektor Maximus überbracht (vgl. 10,5) und gehört sicher in eine vorösterliche Fastenzeit (vgl. 10,1); die übliche Datierung in das Jahr 354 ist jedoch nicht zwingend. Die in 1,1 angedeuteten Betrübnisse der Kirche müssen sich nicht unbedingt auf die Situation der Zeit ab 353 (Synode von Arles) beziehen, sondern können auch auf die problematische Integration des Mönchtums in die Kirchenstrukturen hinweisen, die durch die Einsetzung des Dracontius zunächst gelöst (vgl. 1,3), durch seine Flucht wieder in Frage gestellt wurde. Zudem erscheint der Amtsvorgänger des Dracontius, Agathammon, in der apol. sec. 71 (Nr. 33) zitierten Liste der melitianischen Bischöfe, so daß möglicherweise auch noch zur Zeit des Dracontius mit melitianischer Konkurrenz um das Bischofsamt in Hermupolis parva zu rechnen wäre (vgl. 1,3). Die Beschreibung des Ammonius als τοῦ μετὰ Σεραπίωνος ἀποδημήσαντος (7,2) ist sehr wahrscheinlich keine Anspielung auf die hist. Ath. 1,7 und ind. ep. fest. 25 (a. 353) erwähnte Delegation mehrerer ägyptischer Bischöfe an den Hof des Constantius in Mailand, sondern darauf, daß beide gemeinsam Mönch wurden. Die Abfassungszeit läßt sich daher nur auf die Zeit zwischen 346/47 und der Verbannung des Dracontius im Jahr 356/57 eingrenzen.